NEWS
Frauenquote in Frankreich
20.01.2010 - Angriff auf den Männerverein in der Chefetage: Frankreich will seinen Unternehmen eine Frauenquote vorschreiben. Der Widerstand ist groß - auch von weiblicher Seite.
Frankreich will werden wie Norwegen. Eine gesetztliche Frauenquote für Kontrollgremien soll dabei helfen.
Frankreich will ein wenig wie Norwegen werden oder zumindest so tun, als werte das Land Frauen in Aufsichtsräten auf. Am Mittwoch hat der Fraktionsvorsitzende der Mehrheitspartei UMP, Jean-François Copé, einen Gesetzentwurf ins Parlament eingebracht, der vorsieht, den Frauenanteil in den Kontrollgremien börsennotierter Unternehmen bis 2016 auf 40 Prozent zu erhöhen. Norwegen hat so eine Frauenquote 2003 eingeführt und das Soll inzwischen erfüllt. 2007 folgte Spanien, dann Belgien. "Die Quote hat nicht nur mehr Frauen in die Kontrollgremien gebracht, sondern sie auch verjüngt", resümierte die UMP-Abgeordnete Marie-Jo Zimmermann. Copé errechnete für Frankreich einen Frauenanteil von nur acht Prozent in den 500 größten Unternehmen.
Passus mit Fragezeichen
Doch noch ehe Copé den Parlamentariern seinen Entwurf vorlegen konnte, musste er auf Druck verschiedener Interessengruppen auch aus den eigenen Reihen seine Schocktherapie abmildern. Statt bei 50 liegt die Quote jetzt bei immer noch ambitionierten 40 Prozent. Und die Frist, bis zu der sie erreicht werden soll, musste Copé um ein auf sechs Jahre verlängern. Ein Knackpunkt sind zudem die Sanktionen, die in Norwegen besonders scharf waren. Copé wollte eigentlich Nominierungen für nichtig erklären, die dem Gesetz zuwiderlaufen. Doch hinter dem Passus steht nun ein Fragezeichen.
Widerstand gegen die Quote leisten im Übrigen auch Frauen wie zum Beispiel die UMP-Abgeordnete Françoise de Panafieu, die der traditionsreichen Unternehmerfamilie Wendel angehört. Ihr sind die beabsichtigten Sanktionen zu rigoros. Auch viele amtierende Aufsichtsräte lehnen die Quote ab. Kein Wunder, denn sie bilden einen eingeschworenen und (fast) exklusiven Männerverein. 98 Personen vereinen 43 Prozent der Stimmrechte der 40 größten Unternehmen auf sich, berechneten vor kurzem die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young.
Langsamkeit der Feminisierung
Laurence Parisot, Präsidentin des Arbeitgeberverbandes Medef, befürwortet sie hingegen. "Es geht aber nicht in erster Linie um ein Gesetz, Sanktionen oder Verhandlungen, sondern darum, wie man etwas ändert", sagte sie und fügte hinzu: "Die einzige Lösung ist, dass ihr Männer bitte ein bisschen weniger machohaft und frauenfeindlich seid." Die Quote hält sie für einen ersten Schritt. "Der Grund, warum viele ehemalige Gegner jetzt für die Quote sind, ist die Langsamkeit der ,Feminisierung' einflussreicher Posten", meint Jacqueline Laufer, emeritierte Professorin an der Wirtschaftshochschule HEC. "Die Quote ist kein Ziel an sich, sondern ein Mittel, um die Dinge in Bewegung zu bringen."
Die oppositionelle Sozialistische Partei stellte vor der Parlamentsdebatte klare Bedingungen: "Wenn Sie die Gleichberechtigung weiterbringen wollen, ziehen wir mit. Wenn Sie aber nur einen PR-Gag planen, stimmen wir gegen den Entwurf", sagte Fraktionssprecher Bruno Le Roux in Richtung Copé.
Quelle: Süddeutsche Zeitung
12. Deutsch-Französischer Ministerrat 4. Februar 2010 Paris
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy waren sich nach den Gesprächen einig: die deutsch-französische Zusammenarbeit soll künftig so effizient und so konkret wie möglich gestaltet werden. "Wir müssen neu denken. Wir müssen neu Wirtschaften", betonte Merkel.
Mit der "Agenda 2020" stellen sich beide Regierungen gemeinsam den neuen Herausforderungen: Klimawandel, Wirtschafts- und Finanzkrise und der Bedrohung von Frieden und Sicherheit. Beide Länder streben eine nachhaltige Entwicklung an, durch die sie Wachstum, Beschäftigung und sozialen Zusammenhalt fördern wollen.
Die deutsch-französische Agenda 2020 umfasst sechs große Themenfelder:
1. Wirtschaft, Finanzen und Beschäftigung
2. Energie, Klima und Biologische Vielfalt
3. Wachstum, Innovation, Forschung, Bildung und Hochschulwesen
4. Außen-, Verteidigungs- und Sicherheitspolitik
5. Engere Kontakte zwischen den Bürgerinnen und Bürgern beider Länder
6. Institutioneller Rahmen
Aus der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise gestärkt hervor zu gehen, ist eins der wichtigsten Ziele beider Länder. Deshalb wollen sich Deutschland und Frankreich für eine Koordinierung wirtschaftspolitischer Maßnahmen in der Europäischen Union (EU) stark machen.
Merkel und Sarkozy wollen die EU auf dem Sondergipfel am 11. Februar auffordern, eine geeignete Wirtschaftsstrategie für die Zukunft zu erarbeiten. Dazu sollen beispielsweise die Wirtschaftsweisen beider Länder künftig zusammenarbeiten und bis zum Ende des Jahres einen Bericht zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage vorlegen.
Grenzüberschreitende Projekte
Neben der Schaffung eines deutsch-französischen Büros für erneuerbare Energien, berichtete die Bundeskanzlerin von einem weltweit einmaligen Projekt für Elektroautos. In der Region zwischen Straßburg und Stuttgart soll es zukünftig eine Teststrecke zur Förderung des umweltschonenden Straßenverkehrs geben.
Außerdem informierten Merkel und Sarkozy über Ideen zum Einsatz der Deutsch-Französischen Brigade im Ausland und zu einer engeren, polizeilichen Zusammenarbeit im Grenzgebiet. Beide Länder hatten sich bei ihrem Treffen auch auf ein Projekt zur Schaffung einer deutsch-französischen Wasserschutzpolizei auf dem Rhein geeinigt.
"Das Leben der Menschen in unseren beiden Ländern wird enger zusammengeführt", sagte die Kanzlerin. "Jetzt überlegen wir, wo wir gemeinsam international auftreten können. So, wie wir den ersten Schritt erfüllt haben, werden wir auch den nächsten erfüllen. Aber wir wollen es so machen, dass hinterher auch ein Erfolg daraus wird" erläuterte sie.
Zusammenarbeit stärkt Europa
Mit abgestimmten Vorschlägen wollen Angela Merkel und Nicolas Sarkozy am 11. Februar zum EU-Gipfel nach Brüssel reisen. "All diese neuen Ansätze müssen nach meiner festen Überzeugung von Deutschland und Frankreich in die europäische Diskussion eingebracht werden", betonte die Kanzlerin. Mit der "Agenda 2020" möchten Deutschland und Frankreich Europa insgesamt stärken und Verantwortung übernehmen.
Der zwölfte deutsch-französische Ministerrat war der erste gemeinsame Ministerrat seit der Regierungsbildung und dem Inkrafttreten des Lissabon-Vertrags. Zum ersten Mal seit 2007 fand er wieder im großen Format mit nahezu allen Kabinettsmitgliedern beider Regierungen statt. Die Kabinette beider Länder treffen sich seit 2003 regelmäßig. Die Treffen der deutsch-französischen Ministerinnen und Minister dienen der gegenseitigen Abstimmung auf allen Politikgebieten und der Intensivierung der Zusammenarbeit.
Neue Auflage « Löhne und Gehälter in Frankreich
Die aktualisierte und erweiterte Auflage der Fachschrift analysiert und beschreibt die grundlegenden Zusammenhänge der Löhne und Gehälter in Frankreich, Deutschlands wichtigstem Geschäfts- und Handelspartner. Diese Basiselemente sollen deutschen Unternehmen einen Einblick in das französische Lohn- und Gehaltssystem gewähren und einen Vergleich mit Deutschland ermöglichen. Jedes Unternehmen, das Führungspersonal und Mitarbeiter in französischen Tochterfilialen einstellt, sollte über dieses Wissen verfügen. Ausgehend von einer grundlegenden Einführung in die aktuellen Wirtschaftsdaten Frankreichs wird auf die neuesten Entwicklungen auf dem französischen Arbeitsmarkt hingewiesen. Die allgemeine Beschäftigungslage in Frankreich wird im europäischen Umfeld beschrieben und mit aktuellen Zahlen belegt. Anschließend wird Frankreichs Lohn- und Gehaltsstruktur ausführlich analysiert. Die dargestellten Löhne und Gehälter gehen vom französischen Mindestlohn SMIC über die Entlohnung von Sekretären, Verkäufern und Führungspersonal bis hin zum Gehalt von Filialleitern. Am Ende werden die wichtigsten Punkte aufgeführt, die bei einem Geschäftsleitungswechsel in Frankreich zu beachten sind. Quelle: Deutsch-Französische Industrie- und Handelskammer
Lohn- und Gehaltsunterschiede zwischen Frankreich und Deutschland:
Für eine deutsche Firma, die nach Frankreich expandieren will, ist es wichtig, die Lohn- und Gehaltsunterschiede der beiden Länder genau zu verstehen, sei es für die Firma selbst, um Kosten kalkulieren zu können oder für die Mitarbeiter, um sich auf dem „Gehaltsmarkt" zu orientieren.
So muss man wissen, dass bei einem Jahresbruttogehalt von 50 000€ die Sozialabgaben des französischen Arbeitgebers 18 500€ betragen, was 37% des Gehalts entspricht, wogegen es sich in Deutschland um nur 9 850€ (19,7%) handelt! Dieser Unterschied ist ein klarer Vorteil für deutsche Firmen.
Dagegen bringt das Steuersystem Vorteile für französische Arbeitnehmer, die 6 298€ versteuern, während ihre deutschen Kollegen fast das Doppelte (13 210€) an den Staat abtreten müssen!
GBO Human Resources gibt mit der deutsch-französischen Handelskammer eine Studie heraus, die es Unternehmen in beiden Ländern ermöglicht, Unterschiede in der Gehaltsstruktur zu verstehen. «Löhne und Gehälter in Frankreich»